E-Bike-Akku im Winter: was wirklich passiert
Im Winter kommt fast jede Woche jemand zu uns und sagt denselben Satz: „Mein Akku ist kaputt, ich komme nur noch halb so weit." In den allermeisten Fällen ist der Akku vollkommen in Ordnung. Er ist nur kalt.
Der Unterschied ist wichtig, denn das eine geht im Frühjahr von selbst weg und das andere kostet Geld. Hier steht, wie du beides auseinanderhältst, und welcher einzelne Fehler einen Akku wirklich unbrauchbar macht.
Auf dieser Seite
- Der einzige Fehler, der den Akku wirklich zerstört
- So lagerst du ihn richtig
- Reichweite im Winter: was wirklich passiert
- Laden bei Kälte
- Immer bis 100 Prozent laden?
- Darf das Rad über Winter draußen stehen?
- Woran merkst du, dass der Akku alt wird?
- Neuer Akku oder neues Rad?
- Ladegeräte und beschädigte Akkus
Wenn du nur eine Sache mitnimmst
Der einzige Fehler, der den Akku wirklich zerstört
Alles andere in diesem Text ist Feinschliff. Das hier ist der Punkt, an dem es teuer wird: Leg niemals einen leeren Akku über den Winter weg.
Ein Lithium-Ionen-Akku entlädt sich auch im Regal langsam weiter. Fängt er bei fast leer an, rutscht er irgendwann unter eine Spannung, ab der die Elektronik ihn aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr aufweckt. Das nennt sich Tiefentladung, und danach hilft in den meisten Fällen nur ein neuer Akku.
Wir sehen das jedes Frühjahr. Immer dasselbe Muster: im November die letzte Fahrt, den Rest nicht mehr geladen, im März geht nichts mehr.
So lagerst du ihn richtig
Hier wird es interessant, denn die Hersteller sind sich nicht einig. Wer im Netz nach der einen richtigen Zahl sucht, findet drei verschiedene, und alle drei sind korrekt für ihr System:
| System | Ladestand zum Lagern | Temperatur | Kontrolle |
|---|---|---|---|
| Bosch | 30 bis 60 Prozent (2 bis 3 LEDs) | 0 bis 20 Grad | regelmäßig |
| Shimano STEPS | rund 70 Prozent | 10 bis 20 Grad | alle 6 Monate laden |
| MAHLE (X20, X35) | 30 bis 60 Prozent | ideal um 20 Grad, höchstens 25 | alle 6 Monate |
Die Faustregel, wenn du deine Anleitung nicht findest: rund die Hälfte. Nie voll, nie leer.
Voll ist fast so schlecht wie leer
Bosch schreibt ausdrücklich, dass eine Ladung auf 100 Prozent zum Lagern „genauso zu vermeiden" ist wie die Tiefentladung. Ein voller Akku steht monatelang unter Spannung, und das kostet Kapazität, die nicht zurückkommt.
Wo lagerst du ihn?
Richte dich nach der Temperaturspalte oben, denn auch da sind die Hersteller unterschiedlich streng. Für einen Bosch-Akku ist eine kühle Garage in Ordnung, solange es dort nicht friert. Shimano und MAHLE wollen es wärmer, nämlich rund 10 bis 20 Grad, und damit fällt eine unbeheizte Garage im Januar raus. Im Zweifel: Keller statt Garage.
Außerdem: nicht neben die Heizung, nicht in die pralle Sonne, nicht neben brennbares Material, und nicht dauerhaft am Ladegerät hängen lassen.
Alle zwei Monate draufschauen
Die Hersteller sagen sechs. Wir sagen zwei, weil zwei Monate früh genug sind, um nachzuladen, bevor es kritisch wird, und weil sich niemand einen Sechs-Monats-Termin merkt. Unter 20 Prozent: laden.
Hier liegen die meisten Ratgeber daneben
Reichweite im Winter: was wirklich passiert
Überall steht „der Akku verliert im Winter 30 bis 40 Prozent". Die DEKRA hat Pedelec-Akkus in der Klimakammer gemessen, und die Zahlen sehen anders aus:
| Marken-Akku | günstiger Nachbau | |
|---|---|---|
| Fahrt bei 1 Grad | 99 Prozent Kapazität | 77 Prozent |
| Fahrt bei minus 15 Grad | rund 90 Prozent | 67 Prozent |
| Temperatur im Akku während der Fahrt | 18 Grad | 6 Grad |
Ein ordentlicher Akku verliert unterwegs also kaum etwas. Der Grund steht in der letzten Zeile: er wärmt sich beim Fahren selbst auf. Innen sind es 18 Grad, während draußen Frost herrscht. Beim billigen Nachbau passiert das nicht, der bleibt kalt und verliert ein Drittel.
Warum du trotzdem weniger weit kommst
Unsere Kunden berichten im Winter sehr wohl von deutlich weniger Reichweite, oft in der Größenordnung eines Drittels. Das widerspricht der Messung nicht, denn Reichweite hängt nicht nur am Akku: der Rollwiderstand steigt auf nasser, kalter Straße, du fährst in dickerer Kleidung gegen mehr Wind und trittst schwerer, du nutzt deshalb eine höhere Unterstützungsstufe (oft ohne es zu merken), und das Licht läuft dauerhaft mit.
Ehrlich dazu: wie viel jeder einzelne dieser Punkte ausmacht, wissen wir nicht. Gemessen ist nur das eine Ende der Rechnung. Der Rest ist unsere Erfahrung aus der Werkstatt, keine Messung.
Die Einschränkung, die in der Tabelle steckt
Die guten Werte gelten für einen Akku, der sich warmgefahren hat. Auf einer längeren Fahrt trifft das zu, und dann kommt der spürbare Verlust tatsächlich größtenteils von der Liste oben. Auf einer Kurzstrecke trifft es nicht zu. Dort bleibt der Akku kalt, und dann verliert er sehr wohl selbst mit.
Der praktische Schluss, den sonst niemand zieht
Am schlimmsten sind kurze Strecken. Zwei Kilometer zur Schule, dann steht das Rad wieder. Der Akku kommt nie auf Betriebstemperatur, und du bekommst beide Effekte auf einmal: den kalten Akku und den höheren Verbrauch. Wer täglich eine längere Strecke fährt, merkt vom Winter deutlich weniger, als er erwartet, weil sich der Akku unterwegs selbst hilft.
Und das Wichtigste: dieser Verlust ist vorübergehend. Wird der Akku wieder warm, ist die Reichweite wieder da. Wenn nicht, ist es nicht die Kälte, sondern der Akku. Dann lohnt ein Blick in die Werkstatt.
Laden bei Kälte
Kurz: einen kalten Akku lädst du nicht. Du kannst es meistens nicht einmal, selbst wenn du wolltest.
Bosch erlaubt das Laden nur zwischen 0 und 40 Grad. Fällt die Akkutemperatur unter null, sperrt die Elektronik den Ladevorgang von sich aus und meldet das über blinkende LEDs. Am besten lädt er bei 15 bis 20 Grad.
Nach einer Winterfahrt also: Akku mit ins Warme nehmen, mindestens eine halbe Stunde stehen lassen, dann erst ans Ladegerät. Bei einem richtig durchgefrorenen Akku darf es auch länger sein.
Warum das so ist: Lithium Plating
Beim Laden wandern Lithium-Ionen in die Anode und lagern sich dort ein. Ist der Akku zu kalt, läuft dieser Vorgang zu langsam. Die Ionen lagern sich dann nicht ein, sondern schlagen sich als metallisches Lithium auf der Oberfläche nieder.
Das ist nicht umkehrbar. Jedes Mal geht ein Stück nutzbare Kapazität verloren, und im Extremfall können die Ablagerungen interne Kurzschlüsse verursachen.
Genau deshalb sperrt das Batteriemanagement das Laden unterhalb von null Grad. Es schützt den Akku vor dir.
Immer bis 100 Prozent laden?
Kurze Antwort: voll laden ist in Ordnung, wenn du die Reichweite brauchst. Was schadet, ist nicht das Volladen selbst, sondern das Vollstehenbleiben.
Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Einen Lithium-Ionen-Akku stört es nicht, wenn du ihn häufig nur ein Stück weit nachlädst. Einen Memory-Effekt wie bei alten Akkus gibt es hier nicht, und du musst ihn auch nicht „leer fahren", damit er gesund bleibt. Was ihn altern lässt, ist die Zeit, die er bei hohem Ladestand herumsteht.
Praktisch heißt das:
- Vor einer längeren Tour ruhig voll laden. Dafür ist die Ladung da.
- Nach kurzen Fahrten nicht jedes Mal reflexhaft auf 100 nachladen. Im Alltag fühlt sich der Akku zwischen rund 20 und 80 Prozent am wohlsten.
- Und vor allem: nicht voll abstellen. Fährst du erst nächste Woche wieder, lade lieber erst kurz vorher.
Für die Lagerung gilt es strenger
Dort ist voll fast so schlecht wie leer, weil der Akku dann Monate statt Stunden bei hoher Spannung verbringt.
Darf das Rad über Winter draußen stehen?
Ja, wenn es sein muss. Schön ist es nicht, aber es ist deutlich weniger schädlich, als den Akku regelmäßig tiefzuentladen.
Kannst du den Akku entnehmen: nimm ihn mit rein. Nicht weil er draußen kaputtgeht, sondern weil er morgens warm startet. Warm heißt mehr Reichweite und mehr Leistung, genau von der ersten Minute an, in der du sie brauchst.
Ist er fest verbaut, bleibt er, wo er ist, und du rechnest mit weniger Reichweite. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Das ist übrigens der größere Unterschied zwischen zwei E-Bikes als die Marke des Motors: kann ich den Akku rausnehmen oder nicht. Ein fest integrierter Akku bleibt kalt, ein entnehmbarer kann warm ins Rad.
Woran merkst du, dass der Akku alt wird?
An genau einer Sache: die Reichweite sinkt und kommt auch im Sommer nicht zurück.
Die Kunden beschreiben es fast immer gleich: „Früher hatte ich zu Hause noch zwei Balken, jetzt nur noch einen." Mehr Anzeichen gibt es in der Praxis kaum. Kein Piepen, keine Fehlermeldung, nichts Dramatisches.
Nach etwa 15.000 bis 20.000 Kilometern merken das die meisten. Typisch sind dann noch 50 bis 70 Prozent der ursprünglichen Reichweite.
Das heißt nicht, dass ein neuer Akku fällig ist. Die einzige Frage, die zählt: reicht das, was noch da ist, für deinen Alltag? Wenn du 15 Kilometer zur Arbeit fährst und der Akku schafft noch 40, ist alles gut.
Neuer Akku oder neues Rad?
Wenn Rahmen, Motor und Anbauteile in Ordnung sind, ist der Akkutausch fast immer die wirtschaftlichere Entscheidung. Ein Ersatzakku kostet einen Bruchteil eines vergleichbaren neuen E-Bikes.
Für ein neues Rad spricht eigentlich nur ein Grund: du bist mit dem Rad an sich nicht mehr zufrieden. Dann löst ein neuer Akku dein Problem nicht.
Was der Akku für dein System kostet, sagen wir dir nach einem Blick aufs Rad. Das hängt am Hersteller, an der Generation und daran, ob es die Baugröße noch gibt.
Sicherheit
Ladegeräte und beschädigte Akkus
Nur das Original-Ladegerät. Keine Billigware, keine Drittanbieter.
Lithium-Ionen-Akkus haben eine enorme Energiedichte. Ein falsches Ladegerät oder ein beschädigter Akku können erheblichen Schaden anrichten, und zwar nicht nur am Rad.
Und ganz klar: ist der Akku heruntergefallen, verformt oder sichtbar beschädigt, benutz ihn nicht weiter und lade ihn nicht. Bring ihn vorbei, wir sehen ihn uns an.
Mehr dazu: Werkstatttermin buchen Alltag & E-Bike
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